Montag, 1. Juni – Anreise ins Oberengadin
Am Montag begann unsere Reise ins Engadin. Gegen 11 Uhr starteten wir in München und erreichten gegen 17:00 Uhr unser Ziel La Punt Chamues-ch im Oberengadin. Bereits die Anreise durch die Alpen bot beeindruckende Ausblicke auf Berge, Täler und die typische Schweizer Landschaft.
Nach dem Ankommen nutzten wir den Abend für eine erste Erkundung des Dorfes. La Punt ist bekannt für seine gut erhaltenen historischen Engadiner Häuser mit kunstvollen Sgraffito-Verzierungen. Gleichzeitig wird das Ortsbild derzeit von einer regen Bautätigkeit geprägt, die sich durch zahlreiche Kräne und Neubauprojekte bemerkbar macht. Besonders sehenswert ist die Dorfkirche, die sich harmonisch in das Ortsbild einfügt.
Anschließend unternahmen wir eine kleine Wanderung über die umliegenden Wiesen. Anders als in vielen Regionen werden zahlreiche Wiesen im Engadin nur selten oder gar nicht gemäht. Dadurch entstehen im Frühsommer beeindruckende Blumenwiesen mit einer außergewöhnlichen Artenvielfalt. Die bunten Blüten verwandelten die Landschaft in ein riesiges Blumenmeer und boten einen ersten Vorgeschmack auf die Naturerlebnisse der kommenden Tage.
Dienstag, 2. Juni – St. Moritz und eine Sauna mitten im Wald
Der Tag begann früh mit dem Einkauf von Lebensmitteln für die Wanderungen sowie für das Frühstück in unserer Unterkunft.
Anschließend besuchten wir St. Moritz, den wohl bekanntesten Ort des Engadins. Der Kur- und Wintersportort ist weltweit für seine Luxushotels, exklusiven Geschäfte und die zweimaligen Olympischen Winterspiele bekannt. Bei einem Spaziergang durch den Ort besichtigten wir den berühmten Schiefen Turm von St. Moritz. Der rund 33 Meter hohe Turm stammt aus dem 12. Jahrhundert und neigt sich aufgrund von Bodenbewegungen deutlich zur Seite.
Neben einigen Schaufensterbummeln nutzten wir die Gelegenheit, kleine Mitbringsel zu kaufen und einen Cappuccino zu genießen. Während unseres Aufenthalts zeigte sich das Wetter allerdings häufig von seiner regnerischen Seite. Immer wieder zogen Wolken und Schauer durch das Tal, was spontane Anpassungen unserer Wanderpläne erforderlich machte. Für die Region war der Regen jedoch durchaus willkommen: Von Einheimischen hörten wir, dass es in den vergangenen Monaten oft zu trocken gewesen sei und die Niederschläge für Natur, Landwirtschaft und Wasserhaushalt des Engadins dringend benötigt würden.
Den Nachmittag verbrachten wir mit der Planung der Touren für die kommenden Tage. Ein besonderes Highlight erwartete uns anschließend von 16:00 bis 18:00 Uhr: eine kleine Waldsauna mitten in der Natur. Die Sauna konnte online gemietet werden und musste selbst mit einem Holzofen beheizt werden. Alles Notwendige – von Handtüchern bis zu Getränken und einem Buch – musste selbst mitgebracht werden. Nach dem Saunagang sorgte ein eiskalter Gebirgsbach für die nötige Abkühlung.
Mittwoch, 3. Juni – Rundtour bei Zuoz mit Blick auf den Piz Mezzaun
Das Frühstück begann um 8:30 Uhr, allerdings mussten wir diesmal auf frische Brötchen verzichten, da der Bäcker noch geschlossen hatte. Da wir zu Beginn der Wandersaison im Engadin angekommen waren, befanden sich viele Geschäfte und Restaurants noch in der Zwischensaison und hatten nach dem Ende der Wintersaison noch nicht wieder geöffnet. Dadurch wirkte der Ort stellenweise ungewöhnlich ruhig.
Gegen 10:30 Uhr starteten wir zu einer anspruchsvollen Rundwanderung bei Zuoz. Die Route führte zunächst hinauf in Richtung Piz Mezzaun. Der Gipfel selbst wurde zwar nicht bestiegen, dennoch boten sich immer wieder beeindruckende Ausblicke auf den markanten Berg und die umliegende Gebirgslandschaft.
Weiter ging es zum idyllisch gelegenen Bergsee Lej da Prastinaun. Das klare Wasser spiegelte die umliegenden Gipfel wider und lud in einer gut geschützten Mulde zu einer kurzen Rast vor dem Wind ein. Mit etwas Glück konnten wir hier auch mehrere Murmeltiere beobachten, die zwischen den Felsen umherhuschten. Anschließend führte der Weg über die noch geschlossene Alp Arpiglia zurück ins Tal.
Die Tour dauerte von 10:30 bis 18:00 Uhr. Insgesamt legten wir rund 18 Kilometer zurück und bewältigten etwa 1.000 Höhenmeter. Nach diesem langen Wandertag freuten wir uns besonders auf das wohlverdiente Abendessen.
Donnerstag, 4. Juni – Mit der Rhätischen Bahn über den Berninapass
Diesmal hatte der Bäcker geöffnet und das Frühstück startete mit leckeren frischen Brötchen.
Um 10:30 Uhr stiegen wir in die Rhätische Bahn und fuhren von La Punt über Pontresina nach Poschiavo. Die rund zweistündige Zugfahrt zählt zu den schönsten Bahnstrecken Europas. Die Berninalinie gehört zum UNESCO-Welterbe und verbindet auf spektakuläre Weise hochalpine Landschaften mit dem südlichen Alpenraum.
Während der Fahrt konnten wir die beeindruckenden Berglandschaften bequem vom Zug aus genießen. Gletscher, Seen und schroffe Gipfel wechselten sich ständig ab und machten die Fahrt selbst zu einem Erlebnis. Besonders auffällig war dabei der ungewöhnlich niedrige Wasserstand einiger Bergseen entlang der Strecke. Einige Uferbereiche lagen bereits frei, obwohl die Sommersaison gerade erst begonnen hatte. Solche Beobachtungen werden in den Alpen immer häufiger diskutiert und stehen unter anderem im Zusammenhang mit veränderten Niederschlagsmustern, dem Rückgang der Gletscher und den Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserspeicher der Hochgebirgsregionen.
Auf dem Rückweg von Poschiavo stiegen wir an der Station Bernina Lagalb aus und begannen eine Wanderung rund um den Piz Lagalb. Der Weg führte entlang des Gebirgsbaches Ova da Minor und bot eindrucksvolle Ausblicke auf die hochalpine Landschaft rund um den Berninapass.
Im oberen Bereich lagen trotz des beginnenden Sommers noch zahlreiche Schneefelder. Mehrfach mussten wir diese umgehen oder vorsichtig queren. Die etwa 8,5 Kilometer lange Wanderung mit rund 500 Höhenmetern dauerte knapp vier Stunden. Unser Ziel war Ospizio Bernina, der höchstgelegene Bahnhof der Berninalinie auf über 2.200 Metern Höhe. Nach einer heißen Schokolade fuhren wir erschöpft zurück zur Unterkunft.
Freitag, 5. Juni – Unterwegs im Schweizer Nationalpark
Nach dem Frühstück um 8:30 Uhr stand ein Ausflug in den Schweizer Nationalpark auf dem Programm. Der Nationalpark wurde bereits 1914 gegründet und ist das älteste Schutzgebiet seiner Art in den Alpen. Hier darf die Natur weitgehend sich selbst überlassen werden, wodurch sich eine außergewöhnliche Artenvielfalt entwickeln konnte. Von dieser haben wir allerdings wenig gesehen.
Von Zernez aus wanderten wir zwischen 10:30 und 17:00 Uhr in Richtung Chamanna Cluozza. Die Berghütte gilt als eine der bekanntesten Hütten im Nationalpark und liegt malerisch im Cluozza-Tal. Obwohl wir die Hütte bereits sehen konnten, reichte die Zeit leider nicht aus, um sie tatsächlich zu erreichen.
Für den Rückweg wählten wir die Route über die Bellavista-Hütte. Dort legten wir eine kurze Pause ein und beobachteten mit einem Fernglas die umliegenden Berghänge. Trotz der idealen Bedingungen und der Hoffnung auf Steinböcke, Hirsche oder Murmeltiere bekamen wir an diesem Tag leider keine Wildtiere zu Gesicht.
Der Weg zurück nach Zernez führte überwiegend durch ausgedehnte Bergwälder und entlang sonniger Hänge. Nach der Rückkehr gönnten wir uns einen etwas weniger entspannten Cappuccino direkt an einer Straße, bevor wir den Abend bei einem gemeinsamen Pizzaessen in La Punt Chamues-ch ausklingen ließen.
Samstag, 6. Juni – Heimreise quer durch Deutschland
Der letzte Urlaubstag begann bereits um 8:00 Uhr mit dem Frühstück. Der ursprünglich geplante Bus um 9:00 Uhr wurde knapp verpasst, sodass uns Ilona freundlicherweise nach Zernez brachte.
Dort bestiegen wir einen Zug nach Landquart. Von dort führte die lange Heimreise über Zürich, Basel, Freiburg, mit Umsteigen in Mannheim, Frankfurt, Fulda, Eisenach und Erfurt bis nach Berlin.
Gegen Mitternacht erreichte ich schließlich mein Ziel. Die Rückfahrt entwickelte sich fast zu einer kleinen Deutschland-Rundreise und bildete einen passenden Abschluss eines abwechslungsreichen Wanderurlaubs.
Fazit
Das Engadin zeigte sich während unseres Aufenthalts von seiner ganzen Vielfalt: blühende Bergwiesen, historische Dörfer, spektakuläre Bahnstrecken, einsame Wanderwege und hochalpine Landschaften. Trotz des wechselhaften Wetters konnten wir zahlreiche Eindrücke sammeln und einige der schönsten Regionen Graubündens kennenlernen. Besonders die Kombination aus Naturerlebnis und der beeindruckenden Bergwelt machte diese Reise zu einem sehr schönen Erlebnis.