Kalymnos 2026 – Eine Woche zwischen Kalk, Meer und Tavernen
Anfang Mai ging es für eine Woche Sportklettern nach Kalymnos – eine der bekanntesten Kletterinseln Europas. Die Insel ist berühmt für ihren scharfgriffigen Kalkstein, die vielen gut abgesicherten Mehrseillängen und die entspannte Mischung aus Klettern, Meer und griechischer Gelassenheit. Besonders im Frühjahr herrschen dort oft perfekte Bedingungen: sonnig, trocken und nicht zu heiß.
Samstag, 02.05.26 – Anreise und erste Routen am Meer
Der Tag begann sehr früh: Um 4:15 Uhr klingelte der Wecker, kurz darauf ging es los Richtung Flughafen BER. Nach dem Flug nach Kos wartete erst einmal typisch griechische Insel-Logistik: verspätete Koffer wegen mehrerer gleichzeitig gelandeter Maschinen und lange Taxischlangen. Mit etwas Glück wurde trotzdem noch die Fähre nach Kalymnos zwischen 13:30 und 14:00 Uhr erreicht.
Direkt nach der Ankunft stand schon der erste Klettertag an – am Sektor „Sea Breeze“. Der Name passt perfekt: Viele Sektoren auf Kalymnos liegen direkt am Meer, oft mit Blick auf türkisfarbenes Wasser und steile Kalkwände. Drei Routen im fünften Schwierigkeitsgrad waren ein entspannter Einstieg in die Woche.
Am Abend ging es in die Aegean Taverne – der klassische Auftakt für einen Kalymnos-Trip: gutes Essen, Meeresluft und langsam im Urlaubsmodus ankommen.
Sonntag, 03.05.26 – Apollo und kalter Wind
Nach einem langen Frühstück ging es zum Sektor „Apollo“. Dort zeigte Kalymnos direkt seinen typischen Charakter: scharfe, wasserzerfressene Griffe und technisch anspruchsvolle Kletterei. Mit „Family“ (5a) und „Dad“ (4c) standen zwei entspannte Genussrouten auf dem Programm.
Der Nachmittag verlief deutlich ruhiger: durch die Stadt schlendern, Kaffee trinken im Monstercafe und im Ethereal Café, dazu eine Runde Doppelkopf. Trotz Sonne war das Wetter überraschend kühl – offiziell etwa 10 Grad, gefühlt eher wie 2. Gerade auf Kalymnos kann der Wind im Frühjahr deutlich frischer sein, als man es von Griechenland erwarten würde.
Abends ging es ins „La Kampusa“, eine bekannte Kletterer-Bar auf der Insel. Dort trifft sich praktisch die gesamte internationale Szene.
Montag, 04.05.26 – Erstes richtig starkes Klettern
Am Montag zeigte sich Kalymnos von seiner besten Seite: Sonne, wenig Wind und perfektes T-Shirt-Wetter. Im Sektor „Je t’aime“ bzw. „Arena“ wurde das Niveau langsam gesteigert.
Nach dem Warm-up „Helene“ (5a) folgten:
- „Rue“ (6a)
- „Clan“ (7b+) – ein deutlicher Sprung ins anspruchsvolle Überhangklettern
- „Vas o Paraskevas“ (6b+)
Kalymnos ist weltweit bekannt für ausdauernde, steile Routen mit Tufas – also langen Kalkformationen, an denen man teilweise wie an Säulen klettert. Gerade härtere Linien verlangen viel Körperspannung und Ausdauer.
Abends gab es gegrilltes Fleisch bei Theo’s in Arginonta – offenbar eines der kulinarischen Highlights der Woche. Danach wurde bis spät Karten gespielt: Skat und Doppelkopf auf dem Zimmer.
Dienstag, 05.05.26 – Stromausfall und starke Tickliste
Der Tag begann mit einem zweistündigen Stromausfall – Inselalltag eben. Dafür gab es eine interessante Begegnung: „Päsche“ bzw. Peter, ein Schweizer Schrauber vom bekannten Rebolting-Team. Kalymnos besitzt tausende Sportkletterrouten, die regelmäßig saniert werden müssen, weil Salzluft und Wetter das Material angreifen. Die Rebolting-Community hält die Insel praktisch am Leben.
Im Sektor „Gamos“ wurde dann ordentlich geklettert:
- Emca (5b+)
- Lucka (6a)
- Nyfi (6a)
- Veres (6b)
- Gambros (6b)
- Pethera (6c)
Damit war das wahrscheinlich einer der stärksten Klettertage der Reise.
Nach dem Klettern ging es noch zum Pirate Beach. Das Wasser war allerdings eisig – Anfang Mai ist die Ägäis oft deutlich kälter, als die Sonne vermuten lässt.
Mittwoch, 06.05.26 – Abenteuer auf Telendos
Zur Wochenmitte stand ein Ausflug nach Telendos an, der kleinen Nachbarinsel von Kalymnos. Telendos ist deutlich ruhiger, autofrei und bekannt für spektakuläre Mehrseillängen direkt über dem Meer.
Mit dem Boot ging es morgens hinüber. Dort wurde eine 38-Meter-Route im Grad 5c mit Halbseiltechnik geklettert – Doppelte Seile haben keinen Spaß gemacht. Es fühlte sich an, als ob man einen Bus hinter sich herzieht.
Anschließend führte der Weg zu einem abgelegenen Nudistenstrand und später ins Rita Restaurant auf Telendos.
Donnerstag, 07.05.26 – Viele Meter im Kalk
Am Donnerstag standen gleich mehrere Sektoren auf dem Programm.
Im Sektor „Feminissure“:
- Patronase (6a)
- Poltronesofa (5c)
Danach im Bereich „White Spirit“:
- Lea Piet dans le plat (5c+)
- Drossos avec le Poing (5c+)
- Haut et Count (6b)
Damit sammelte sich über die Woche eine beeindruckende Zahl an Routen und Klettermetern an. Gerade auf Kalymnos sind viele 5er- und 6er-Routen lang und kräftig – oft deutlich fordernder als dieselben Grade in deutschen Klettergärten.
Der Abend klang erneut entspannt aus: Pirate Bay, Aegean Taverne und früh schlafen.
Freitag, 08.05.26 – Letzter Klettertag
Der letzte volle Tag führte in den Sektor „Dolphin Bay“:
- Festival 2009 (5c)
- Coco Ross (6a+)
- Kiss (6a)
- Crew (5c)
- Irene (5c)
- Lena (6a)
Ein klassischer Abschlusstag: noch einmal viele schöne Linien sammeln, Kaffee trinken im Ethereal und abends die Woche ausklingen lassen – erst im Trimpi, später bei Nick.
Samstag, 09.05.26 – Rückreise
Früh morgens ging es zurück Richtung Heimat: Fähre nach Kos, Flug über Athen nach Berlin und gegen 20 Uhr wieder zuhause.