Via Amerina – Wanderung von Amelia nach Rom

Anreise 

Unsere Anreise begann am Mittwochabend mit einer ICE-Fahrt von Berlin nach München. Max‘ WG hat uns einen Schlafplatz angeboten – vielen Dank 🙂
Nach einer kurzen Nacht ging es am Donnerstagmorgen um 6 Uhr los, um den Regionalexpress um 7:32 Uhr nach Bozen zu erreichen. Bozen, die Hauptstadt Südtirols, ist bekannt für ihre malerischen Laubengassen, ihre Weinberge und das Archäologiemuseum, in dem die berühmte Gletschermumie Ötzi ausgestellt ist. Dort nutzten wir die Gelegenheit für ein entspanntes Mittagessen.

Um 12:10 Uhr setzten wir unsere Reise mit der italienischen Hochgeschwindigkeitsbahn in Richtung Rom fort. Die Fahrt bot spektakuläre Ausblicke auf schneebedeckte Alpen, während wir uns mit einem Hörbuch über die berüchtigte Familie Borgia auf Rom einstimmten.

Nach unserer Ankunft in Rom um 18:20 Uhr gaben wir unser Gepäck in dem Touristenladen „Bounce Luggage Storage – Train Station Via Giolitti Exit“ am Bahnhof ab und fuhren weiter mit dem Zug nach Narni. Die Gepäckabgabe haben wir zuvor online gebucht. Von Narni brachte uns anschließend ein Bus nach Amelia, eine der ältesten Städte Italiens mit etruskischen Wurzeln.
Gegen 21 Uhr erreichten wir unser B&B „Le Cisterne“.
Das Zimmer „Africa“ war geschmackvoll eingerichtet, doch in der Nacht spürten wir die Kälte.

Wanderung Tag 1 von Amelia nach Orte

Nach einer frischen Nacht begann unser Tag um 9:30 Uhr mit einem Frühstück in der Altstadt von Amelia. Die Stadt, die auf einer Anhöhe thront, ist berühmt für ihre massiven etruskischen Stadtmauern aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Ebenfalls verbrachte Terence Hill einige Jahre seiner Kindheit und Jugend in dieser schönen Stadt. 

Um 12 Uhr begann unsere eigentliche Wanderung. Zunächst folgten wir einer Straße, bevor wir auf schmale Wanderpfade wechselten. Auf einer abgelegenen Strecke begegneten wir zwei Hütehunden, die ihre Schafherde bewachten – eine nervenaufreibende Situation, da der Weg direkt durch ihr Territorium führte und wir keine Ausweichmöglichkeit hatten. Mit einem Stock bewaffnet, haben wir diese Situation allerdings gemeistert. 

Ein Highlight des Tages war die Querung eines Flusses mit sprudelnden CO₂-Quellen und Schwefelquellen im Gebiet Solfatara di Penna in Teverina, die für die Region typisch sind. Nach 17,7 km erreichten wir unsere Unterkunft nahe Orte, einer Stadt, die majestätisch auf einem Tuffsteinfelsen liegt und für ihr weitverzweigtes unterirdisches Tunnelsystem bekannt ist.
Die Unterkunft „La Locanda della Chiocciola“ war idyllisch und mit etwa vier Kilometer etwas abgelegen vom Hauptort. Auf der anderen Talseite verlief eine Zugstrecke, sodass es öfter laut wurde. Am Abend genossen wir eine besondere Käseplatte und ein wärmendes Kaminfeuer. Um 21 Uhr fielen wir erschöpft ins Bett. Wir waren die einzigen Gäste. 

Wanderung Tag 2 von Orte nach Corchiano

Nach einer erholsamen Nacht begann unser Tag um 8:30 Uhr mit einem reichhaltigen Frühstück aus Käse, Süßigkeiten und köstlichem italienischem Kaffee. Um 10 Uhr starteten wir unsere Etappe und erreichten nach einer Stunde den Ort Orte.

Die Altstadt von Orte, die auf einem Tuffsteinplateau thront, ist bekannt für ihre engen Gassen, unterirdischen Höhlen und römischen Aquädukte. An diesem Morgen erwartete sie uns etwas verschlafen. Nach einem kurzen Einkauf von Brot, Obst, Käse und Wasser ging es weiter.

Die Wanderstrecke war herausfordernd: Dornenhecken versperrten oft den Weg, und es gab steile Passagen. Eine bessere Beschilderung und Instandhaltung wären hier wünschenswert. Gegen 14 Uhr tauchten erste Anzeichen von Zivilisation auf – Höfe und zahlreiche Haselnussplantagen, für die diese Region bekannt ist.

Gegen 16 Uhr näherten wir uns der Gegend um die Stadt Gallese, aus der laute Musik drang. Aus verschiedenen Richtungen waren unterschiedliche Klänge zu hören, und wir vermuteten, dass in der Nähe ein Musikfestival stattfand. Leider hatten wir keine Zeit, dies näher zu erkunden oder uns die Stadt anzuschauen, da wir vor Einbruch der Dunkelheit Corchiano erreichen wollten.

Die letzten zwei Kilometer führten uns durch eine enge, mystische Schlucht. Weiße Esel grasten an den Hängen, und plötzlich tauchte über den Felsen die Stadt Corchiano auf. Diese Stadt war einst ein wichtiger Ort der Falisker, eines antiken italischen Volkes.

Unsere Unterkunft direkt in der Altstadt über den Felsen war gemütlich, roch aber etwas verraucht. Zum Abendessen gab es eine riesige, köstliche Pizza Calzone in der „Pizzeria Del Borgo“. Nach 25,4 km fielen wir erschöpft ins Bett.

Wanderung Tag 3 von Chorchiano nach Nepi

Nach einer kalten Nacht mit 13°C im Zimmer wachten wir um 8 Uhr auf und stärkten uns mit frischem Obst und Kaffee in einer kleinen Bar vor dem Eingang zur Altstadt.

Die Wanderung führte uns durch eine beeindruckende Schlucht, in der viele Tageswanderer unterwegs waren. Die Region war wieder geprägt von Haselnussplantagen. Unser Weg führte uns mit einem kleinem Umweg durch das Dorf Faleri, wo eine Western-Atmosphäre herrschte, sprich niemand war zu sehen, alles ruhig und es haben nur die wehenden Büsche gefehlt. 

Ein Höhepunkt des Tages war die Ruine von „Castello Valeria Nova“. Leider war der Weg versperrt durch einen frisch gepflügten Acker, sodass wir einen schwierigen Abstieg durch Gestrüpp wagen mussten und uns nicht so recht sicher waren, ob wir auf den richtigen Weg kommen. Auch hier war die Stimmung imposant. Antike Ruine wurden von der Natur verschlungen. 

Gegen Abend erreichten wir Nepi. Die Stadt ist berühmt für ihre Festung Rocca dei Borgia, die einst von Lucrezia Borgia bewohnt wurde. Leider hatten wir nicht so viel Zeit für die Besichtigung der Stadt und musste weiter zur Unterkunft „Oltre la Siepe apartment“ etwas außerhalb.
Unsere Gastgeber empfingen uns herzlich, halfen bei der Pizzabestellung und schenkten uns eine Flasche Wein.
Nach 23,3 km ging um 22 Uhr das Licht aus.

Wanderung Tag 4 von Nepi nach Campagnano di Roma

Nach einer regnerischen Nacht starteten wir den Tag gemütlich mit selbstgebackenen Kuchen der Gastgeberin und vielen weiteren Süßigkeiten.
Die Wanderung führte uns über alte Römerstraßen, von denen noch viele antike Steine erhalten waren. Der Weg wurde allerdings zunehmend beschwerlich. Ein steiler Kletterabschnitt zwang uns zu einem zwei Kilometer langen Umweg. Es war uns einfach zu waghalsig, eine Stelle zu erklettern, ohne zu wissen, ob der Pfad tatsächlich später dort weitergeht und wir im Zweifel bergab klettern müssen. 
Später führte der Weg an einer viel befahrenen Autostraße entlang bzw. parallel, was sehr ermüdend war, doch Schokolade und Sonne halfen über das Motivationstief hinweg.

Am Nachmittag erreichten wir Campagnano di Roma, eine charmante Stadt auf dem Pilgerweg Teilstrecke 1 vom „Via Francigena“. Nach einer wohlverdienten Pause mit Aperol in einer Bar vor der Altstadt fanden wir unsere schöne Unterkunft nach einem kurzen Fussmarsch.

Wanderung Tag 5 von Campagnano di Roma nach La Storta

Den Morgen begannen wir mit ein paar Süßigkeiten und einem leckerem Cappuccino. 

Anschließend ging es wieder auf den Via Amerina und in die Wildnis auf dem zweitem Teilstück des „Via Francigena“.
Die Strecke führte durch das „Parco Naturale Regionale di Veio“ Naturschutzgebiet, wo wir auf freilaufende Rinder und Pferde trafen. Hier war es so schön, dass wir beschlossen das Mittagessen auf einer Wiese neben einem Wasserfall zu genießen. Im Fluss konnte man dabei sogar Fische beobachten. 
Später mussten wir jedoch an einer viel befahrenen Straße laufen, bis uns ein freundlicher Busfahrer die letzten Kilometer zum Ziel mitnahm. Laut GPS-Gerät sind es 8km an der stark befahrenen Autostraße.
Hier empfehlen wir eindeutig direkt im Ort „Le Rughe“ an der SS2 einen Bus zu nutzen und nach La Storta zu fahren. Der ausgeschriebene Wanderweg führt an dieser Stelle ausschließlich an der SS2 Autostraße entlang. Das ist wirklich lebensgefährlich! 

Wanderung Tag 6 von La Storta nach Rom (Petersplatz)

Der heutige letzte Wandertag startete mit einem kleinem Schock – das Frühstück musste extra bezahlt werden. Acht Euro für einen Kaffee und Croissant empfanden wir als sehr teuer, gegenüber den Preisen von den Vortagen. Ebenfalls kam nochmal eine Rom-Übernachtungspauschale von sechs Euro pro Person on Top, die wir nachzahlen mussten.  

Für die ersten zwei Kilometer an der Autostraße haben wir wieder den Bus genommen bis zur Haltestelle Cassia/Volusia mit der Haltestellennummer 75954. Von dort ging es wieder ins Grüne.
Der Weg wird aktuell professionell erneuert. Die letzten Kilometer nach Rom waren zunehmend herausfordernd, da uns starker Regen begleitete.
Doch um 14 Uhr standen wir schließlich nach 15km Tageswanderung vor dem Petersdom – das Ziel unserer langen, abenteuerlichen Wanderung.

Nach einem kurzem Selfie haben wir die U-Bahn zum Hauptbahnhof genommen und die eingelagerte Tasche abgeholt und es ging direkt weiter in unsere Unterkunft.
Die nächsten zwei Tage haben wir mit der Besichtigung von Rom verbracht. Unter anderem besichtigten wir den Petersdom, die vatikanischen Museen, das Kolosseum und das Forum Romanum.

Fazit

Der Via Amerina ein interessanter, abwechslungsreicher und geschichtsträchtiger Wanderweg. Allerdings gibt es ein paar Anmerkungen. Der Weg ist definitiv nichts für Anfänger.
Man muss recht gut sein mit der Orientierung und auf ein GPS Gerät setzen. Teilweise ist der Weg gut ausgeschildert, teilweise sieht man über Kilometer keinen einzigen Hinweis.
Ebenfalls muss man bereit sein, Flüsse zu queren und sich auch mit Hütehunden auseinander setzen.
An zwei, drei Stellen war der Weg komplett versperrt und wir mussten improvisieren oder Umwege laufen. In den größeren Dörfern, Städten muss man definitiv Wasser und auch Verpflegung für den Tag kaufen. Unterwegs gab es kaum Möglichkeiten Proviant aufzunehmen. Mit Wasserfilter ist es möglich zwischendurch Trinkwasser aufzunehmen. Diesen hatten wir allerdings nicht eingepackt. 
Vielleicht waren wir noch etwas zu früh im Jahr dran und der Weg wird später etwas mehr gepflegt. Das könnte auch erklären, warum wir so gut wie keine anderen Wanderer getroffen haben. Im Sommer hat man allerdings das Problem mit der italienischen Hitze.

Abreise

Nachmittags ging es mit dem Zug zurück nach Bozen. Nach fünf Stunden Reise ohne Probleme haben wir dort eine Nacht geschlafen und sind morgens mit dem Zug weiter zurück nach Berlin. Zwischenstationen waren Innsbruck und München. Die Zugverbindungen haben ohne Probleme geklappt und die Reise war sehr komfortabel. 

Wir haben auf der Rückreise einen dreiteiligen Podcast von „Was bisher geschah“ über den Untergang vom römischen Reich gehört. Diesen können wir sehr empfehlen!

Die komplette Strecke findest du hier