Litauen – Vilnius und Rückreise

Der erste Tag in Vilnius begann entspannt mit einem Cafébesuch und einem Spaziergang über den Markt. Danach ging es durch das historische Zentrum zur Kathedrale, zum ehemaligen Schlossbereich und hinauf zum Gediminas-Turm.

Der Turm ist eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Er erinnert an Großfürst Gediminas, unter dessen Herrschaft Vilnius im frühen 14. Jahrhundert zu einem bedeutenden politischen Zentrum des Großfürstentums Litauen wurde. Von der Aussichtsplattform bot sich ein weiter Blick über die Stadt und machte zugleich deutlich, wie eng Vilnius mit den umliegenden Hügeln und dem Fluss Neris verbunden ist.

Weiter ging es durch die Altstadt, vorbei an der Kirche St. Nikolaus und einem Schokoladengeschäft von Rūta, einer der traditionsreichen litauischen Süßwarenmarken. Das MO Museum konnte an diesem Tag wegen fehlender Ausstellung nicht besucht werden. Stattdessen wurde Vilnius anschließend noch einmal vom Fahrrad aus erkundet.

Zum Abendessen ging es ins Lokys, wo traditionelle litauische Küche in einem historischen Kellergewölbe serviert wurde.

Der zweite Tag begann mit einem Frühstück und einem Besuch der Nationalbibliothek. Anschließend stand mit Lukiškės Prison 2.0 ein sehr anderer Ort auf dem Programm. Das ehemalige Gefängnis wurde zu einem Kultur- und Veranstaltungsort umgewandelt. Die Anlage vermittelt dabei einen unmittelbaren Eindruck von einem Teil der jüngeren Geschichte Litauens.

Danach führte der Weg entlang der Neris zu den Drei-Kreuze-Hügeln. Von dort bot sich erneut ein Blick über Vilnius. Am Nachmittag ging es weiter nach Užupis, dem bekannten Künstlerviertel auf der anderen Seite der Vilnelė. Užupis ist für seine alternative Kulturszene und seine symbolische „Republik Užupis“ bekannt. Die dortige humorvolle Verfassung gehört inzwischen zu den ungewöhnlicheren Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Der Versuch, später noch die Markthalle zu besuchen, scheiterte daran, dass alle Geschäfte bereits geschlossen waren. Stattdessen gab es einen Cocktail und anschließend ein Abendessen.

Vilnius selbst gehört seit 1994 zum UNESCO-Welterbe. Die Altstadt ist mit rund 360 Hektar eine der größten erhaltenen historischen Altstädte Europas. Ihre Architektur zeigt besonders deutlich, wie unterschiedliche kulturelle Einflüsse über Jahrhunderte zusammengewirkt haben – darunter gotische, Renaissance-, Barock- und klassizistische Elemente.

Dabei ist Vilnius auch untrennbar mit der jüdischen Geschichte Litauens verbunden. Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt ein bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens. Die deutsche Besatzung und der Holocaust zerstörten diese jahrhundertealte Gemeinschaft weitgehend. Spuren dieser Geschichte finden sich heute an zahlreichen Orten der Stadt. Heute wird Vilnius auch gerne als „Rom des Nordens“ bezeichnet. Das kann ich eindeutig bestätigen. 

Rückreise über Warschau

Nach der Zeit in Litauen begann schließlich die Rückreise. Von Vilnius ging es mit dem FlixBus Richtung Polen. Am Abend wurde Warschau erreicht. Nach dem Einchecken in der Unterkunft ging es noch zum Abendessen in die Altstadt.

Warschau bildete einen passenden letzten historischen Kontrast zur Reise durch Litauen. Auch die polnische Hauptstadt ist stark von den Folgen des Zweiten Weltkriegs geprägt. Große Teile der Stadt wurden während des Krieges zerstört, insbesondere nach dem Warschauer Aufstand von 1944. Die historische Altstadt wurde anschließend aufwendig rekonstruiert. Diese Rekonstruktion war so umfangreich und zugleich historisch orientiert, dass die Warschauer Altstadt heute selbst zum UNESCO-Welterbe gehört.

Am Morgen wurde noch in der Neustadt gefrühstückt. Anschließend ging es mit dem Regionalzug zurück nach Berlin – diesmal ohne größere Überraschungen und mit fast pünktlicher Ankunft.

Damit endete eine Reise, die landschaftlich sehr unterschiedliche Seiten Litauens miteinander verbunden hat: die Ostseeküste und Dünen der Kurischen Nehrung, die Geschichte und Architektur von Kaunas, die Seen und Wälder Aukštaitijas und schließlich die historische Hauptstadt Vilnius. Der Rückweg über Warschau schloss den Kreis und stellte noch einmal eine Verbindung zwischen der Geschichte Litauens, Polens und der gemeinsamen europäischen Gegenwart her.