Litauen – Kaunas & Kreuzhügel

Am nächsten Morgen führte die Reise weiter nach Kaunas. Einen ersten längeren Halt bildete die Gedenkstätte am Fort IX. Die Festungsanlage gehört zu den ehemaligen Befestigungen der Stadt und wurde während des Zweiten Weltkriegs zu einem Ort der nationalsozialistischen Massenmorde. Tausende Menschen, insbesondere Juden aus Litauen und anderen europäischen Ländern, wurden hier ermordet. Der Besuch stellt damit einen besonders ernsten Teil der Reise dar und ergänzt die ansonsten stark von Landschaft und Kultur geprägte Route um die Geschichte der Besatzungen und des Holocaust in Litauen.

Danach ging es in die Stadt und ins M. K. Čiurlionis National Museum of Art. Es ist dem bedeutendsten litauischen Künstler und Komponisten Mikalojus Konstantinas Čiurlionis gewidmet. Seine Werke verbinden symbolistische Malerei mit musikalischem Denken und gehören zu den eigenständigsten Erscheinungen der litauischen Kunstgeschichte.

Anschließend wurde die Altstadt erkundet. Rund um Rathausplatz und die historischen Straßen zeigt Kaunas ein anderes Gesicht als Klaipėda: stärker geprägt von Backstein, Barock und klassischer Stadtarchitektur. Ein Eis und Pizza gehörten natürlich ebenfalls zur Erkundung.

Kaunas besitzt darüber hinaus eine besondere Rolle in der Geschichte des modernen Litauens. Nach der Unabhängigkeit 1918 war Vilnius zunächst nicht dauerhaft unter litauischer Kontrolle. Kaunas wurde deshalb zur provisorischen Hauptstadt und entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit zu einem Zentrum des jungen litauischen Staates. Aus dieser Zeit stammt eine außergewöhnliche moderne Architektur, die heute zum UNESCO-Welterbe gehört. Besonders bemerkenswert sind die Bauten der 1920er und 1930er Jahre, in denen sich internationale Moderne mit lokalen architektonischen Traditionen verband.